Management und Bergsteigen: Navigation durch eine komplexe Welt.




Unsicherheit und Komplexität

Eines vorweg, Bergsteiger sind nicht die besseren Führungskräfte und Führungskräfte, selten gute Bergsteiger. Dennoch, zielorientiertes Handeln, der Umgang mit Risiko und das Treffen von Entscheidungen in komplexen Situationen verbin

det die Arbeit von Managern und Expeditionsbergsteigern auf vergleichbare Weise. Wir leben in Zeiten von Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit – besser bekannt als VUCA-Welt. Die VUCA-Welt in hochdosierter Form, charakterisiert auch die „Arbeitswelt“ eines professionellen Bergsteigers auf seinen Expeditionen.


Agilität für den richtigen Spurenwechsel

Im Expeditionsbergsteigen wie in der Wirtschaft kann sich die Lage durch unvorhersehbare Vorkommnisse schnell verändern. Weder Manager noch Bergsteiger können diese nicht selten (existenziell)-bedrohlichen Situationen genau bestimmen oder vorhersagen. Unter hoher Druckbelastung müssen dann schnelle Entscheidungen getroffen werden, damit der richtige Spurenwechsel gelingt. Bergsteiger und Ma


nager müssen also die Fähigkeit besitzen, in komplexen Situationen zu antizipieren und daraus geeignete Handlungsspielräume schaffen.

Die deutsche Messewirtschaft vor großen Herausforderungen Im Juli 2019 hielt Stefan Oschmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO von Merck, in Darmstadt eine Rede mit den Worten:


„Eine weltweite Pandemie ist eine der großen Bedrohungen unserer Zeit. Wir wissen nich

t, wann sie um sich greifen wird. Wir wissen nicht, welcher Erreger sie auslösen wird. Aber wir wissen: Sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen.“


Die Veranstaltungsbranche ist von solchen Gefahren massiv bedroht. Die Bedrohung ist nun zur Realität geworden und gipfelt, aufgepeitscht durch die mediale Berichterstattung, in einer Krise, die vor allem die deutsche Messewirtschaft hart trifft.

Laut dem Branchenverband FAMAB e.V. und dem Research Institute for Exhibition and Live-Communication (R.I.F.E.L.) beläuft sich der derzeitige Schaden in der Messebaubranche auf 426 Millionen Euro, 150.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Viele der Messebauer, kleine und mittelständige Betriebe, scheinen den kurzfristigen Messe-Absagen hilflos ausgeliefert zu sein. Ein heftiger Sturm, nein, eine Lawine mit zerstörerischer Kraft ist über den weltweit führenden Messestandort Deutschland hereingebrochen. Schneestürme ziehen vorbei, Lawinen kommen irgendwann zum Stillstand, die Verwüstung jedoch ist manchmal unsagbar tragisch.

Nur zu antizipieren reicht also nicht; wir brauchen jetzt griffige Strategien und belastbare Handlungsspielräume, um den Schaden so weit wie möglich abzufedern. Anpacken heißt die Devise und diese richtet sich an Politik, Veranstalter, Branchenverbände und Dienstleister gleichermaßen. Der Autor Florian Hill, ehemaliger Profibergsteiger und CEO und Ideator von HILLWIRED


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